Montag, 4. Januar 2010

Zwanzigster Tag; Reitabenteuer in der Alm

Britta wollte endlich auch zu ihrem Recht als Reiterin kommen; leider hatte unsere Wirtin jedoch jeglichen Ausritt mit ihren Pferden abgelehnt, da diese wegen Insektenstichen behandelt worden seien. Sie empfahl uns dafür die "Bacher Alm" in den Nordhängen des Tals östlich von Pucón. Dort biete Franzi, der chilenische Sohn eines ausgewanderten Salzburgers – des inzwischen verstorbenen Pferde-Hans – Reitausflüge an. Wir ließen uns den Weg beschreiben und fuhren gleich nach dem Frühstück zu sechst in beiden Autos los. Doch die "Bacher Alm" war nicht zu finden; als wir eine besonders schlechte Piste auf die vage Vermutung eines Lastwagenfahrers hoch fuhren, fragten wir schließlich ein altes Männchen vor seiner Hütte, ob wir auf dem rechten Weg seien. Der hatte aber noch nie von einem solchen Ort gehört.

Also zurück nach Pucón, wo wir nach einem Lokal für das Mittagessen suchten. Britta nutzte die Gelegenheit, um "Franzi" anzurufen und noch einmal nach dem Weg zu fragen. Wie sich herausstellte, waren wir zuletzt auf der richtigen Fährte gewesen und das Männchen kannte offenbar seine Nachbarn nicht. Luis, Carl, Erika und ich nutzten die Zeit, um uns in einer Peluquería die Haare schneiden zu lassen. Die Frisörin verpasste uns alle den gleichen Haarschnitt namens "Kurz und Schmerzlos" und machte ihr Geschäft des Tages.

Nach Mittagessen und Einkauf – ich fragte im örtlichen Angelladen nach den empfohlenen Fliegen und besorgte mir dazu noch Ersatz für das am Vortag verlorene Vorfach – versuchten wir es also noch einmal und fanden nach der telefonischen Beschreibung endlich unser Ziel: die armen Pferde hatten bereits Stunden angebunden unter den Sätteln gestanden – und dabei nicht fressen können, was sich schon bald als gelegentliches Hindernis herausstellen sollte.

Aufsitzen auf der Bacher Alm

Zunächst wurde jedem sein Pferd zugewiesen; doch weil Franzi nur ein Pferd am Strick führen konnte, gab es auch nur ein Kinderpferd. Bald schon klagte Carl, der vorne bei Britta auf dem Rist deren Pferdes sitzen musste über Schmerzen, da wo es Jungs schnell weh tut. Also beide auf das gleiche Ross namens Princesa. Doch das ging auch nicht, da Carl keinerlei Halt in irgendwelchen Steigbügeln hatte. So durfte Carl auf Princesa reiten und Luis setzte sich vor Mama. Franzi stieg ab und führte Princesa zu Fuß.

Franzi führt Luis auf der braven Princesa

Endlich ging es ernsthaft los; doch dann der nächste Zwischenfall: Wo war Oma? Britta drehte um und fand diese leicht verzweifelt auf ihrem friedlich grasenden Pferd. Im folgenden sollten die Tiere immer wieder versuchen, sich etwas Grün abzureissen. Mein eigenes Tier, Reina, war zwar vom Dauerfressen abzubringen, doch versuchte es sich immer an Princesa zu drängen.

Der Weg selber war sehr beeindruckend, der Wald sehr wild: Überall lag das Holz und der Weg ging oft sehr steil. Doch die Pferde fanden auch im weichen Boden ihren Tritt. Einmal machte Kurts Pferd einen Umweg und konnte nicht mehr auf dem schmalen Pfad zurücksetzen; Franzi musste ihm das Holz aus dem Weg schaffen und es ging weiter, an teilweise riesigen Bäumen durch den Urwald. Dann erreichten wir eine Lichtung, wo die Tiere ein wenig grasen konnten.

Britta im Urwald

Zurück ging es wesentlich schneller; so schnell, dass einmal Erikas und dann Kurts Pferd in Trab verfielen. Doch beiden gelang es, die Tiere wieder in die Gewalt zu kriegen – dabei war es bloß das zweite Mal, dass Erika ritt und für Kurt das erste Mal, dass er überhaupt auf einem Pferd saß! Mein Pferd wollte auch los traben und einmal eine Abkürzung nehmen und keilte ungeduldig aus, wenn ich es bremste. Ich fürchte, Franzi wird es wieder mühsam erziehen müssen, nachdem ich es so verdorben habe.

Nach dem Ausritt trennten wir uns von Kurt und Erika und fuhren nach Pucón, wo wir mit dem Tretauto die Straßen unsicher machten. Die Großeltern trafen wir zum Abschiedsessen im vornehmen "Cava del Roble" in Villarica.

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