Freitag, 15. Januar 2010

Siebenundzwanzigster Tag: (Zu) Entspannt in Santiago

Montag, unser letzter Tag, beginnt mit Wäsche und der Rückgabe des lieb gewonnenen Pick-ups. Unserer Else sei Dank erreiche ich auch am letzten Tag Unfall- und verfransungsfrei die Mietwagenstation. Und jetzt? Aus der Idee, am letzten Tag noch etwas Kultur zu tanken wird nichts: Auch in Chile sind die Museen Montags geschlossen.

Hübsche Häuschen in der José Arrieta

Also laufen wir los Richtung Innenstadt, zum Cerro Santa Lucia, dem Hügel, wo Santiago 1541 von 150 Conquistadores gegründet wurde. Vorher müssen wir uns noch mit Namen anmelden. Als wir oben sind, verabschiedet sich der Akku unserer Kamera endgültig. Schade! Den Wächter mit dem Abmeldeordner umgehen wir am Ausgang, vermutlich sucht man heute noch immer nach uns.
Wir genießen die Aussicht und all die schrägen Ausblicke am Wegesrand: die Skater, die Autos in der Werkstatt, Bauarbeiter, die sich am Gerüst anseilen, 100-jährige Feuerwehr"autos" in einer historischen Wache. Hinter dem Hügel beginnt das Herz der Stadt rund um die Plaza de Armas. Wir suchen eine Platz zum Mittagessen: Im ersten Restaurant (kubanisch) schickt man uns wieder weg: das Essen ist ausverkauft. Kubanische Verhältnisse also auch hier). Wir landen beim Italiener.

Anmeldeprozedur am Cerro Santa Lucia

Weiter geht´s zur Moneda. Wir streiten, ob es sich um Parlament oder Präsidentenpalast handelt (es ist der Präsidentenpalast). Spannender als die offiziösen Statuen überall sind Peoplewatching und die letzten Überreste des 19./beginnden 20. Jahrhunderts: die Art-Deco-Bankgebäude, die altertümlichen Passagen mit Geschäften, die ihre Auslage und Verkäufer in 50 Jahren nicht verändert haben. Der Rest erinnert an die Kölner Schildergasse, nur dass die Ladenketten hier anders heissen. Trotzdem ist Santiago eine angenehme Stadt: Überall Parks und baumbestandene Straßen, Straßencafés und Fußgängerzone in der City: das hätte ich so nicht gedacht.

Als Carl und Luis müde gelaufen sind ist es 18 Uhr, Zeit, ins Hotel zurück zu fahren. Auf dem Rückweg springe ich nochmal beim Artesania-Markt rein, um die Souvenirs zu shoppen und die restlichen Pesos auf den Kopf zu hauen. Ohne dass ich es merke, sind sie aber weg, als ich die ersten Einkäufe bezahlen will. Da war ich wohl zu entspannt. Zum Abendessen gibt's japanisch: Sushi für die Großen, wieder Pollo katsu für die Kurzen. Der Globalisierung sei Dank...

Donnerstag, 14. Januar 2010

Sechundzwanzigster Tag: Sushi in Santiago

Nach dem Frühstück verpackten wir wieder unsere Siebensachen, verabschiedeten uns herzlich von den Lohmars, unseren Wirten aus dem Rincon und machten uns wieder auf den Weg nach Santiago. Die inzwischen bekannten Landschaften zogen vorbei, der Räuber Hotzenplotz schimpfte vom MP3-Player und die Zeit verflog mit den Kilometern.
Vor Curicó verließen wir die Panamericana auf der Suche nach einer Gelegenheit zum Mittagessen. Der Reiseführer hatte das Restaurant empfohlen, das zur Viña Miguel Torres gehörte und Else leitete uns dorthin. Das Gelände war sehr aufgeräumt, doch die Preise vornehm. Hätten wir mehr Zeit gehabt, ich wäre einer Führung nicht abgeneigt gewesen.

Müde vor der Viña

So ging es mit zwei müden Kindern weiter nach Curicó selber. Doch alle Lokale waren verschlossen und erst an der Panamericana fanden wir eine Gaststätte. Hierhin hatten sich offenbar auch alle Hungrigen der Stadt geflüchtet.

Schließlich erreichten wir Santiago und Else franste uns zuverlässig durch den Verkehr zurück zum Patio Suizo, wo wir wieder herzlich begrüßt wurden. Eigentlich wollten wir beim Ecuadorianer Abend essen, doch der hatte geschlossen -- wie die meisten Lokale in der Nachbarschaft. Nach einigem Suchen fanden wir uns in der Sushi-Bar "Bushido" ein, gegen die ursprünglichen Proteste der Kinder und doch zur Zufriedenheit Aller – die Kinder vertilgten ihr "Katsu Pollo" restlos.

Fünfundzwanzigster Tag: Wochenend und Wasserfall

Eigentlich sollte es heute ein ruhiger Tag in der Unterkunft werden, doch bereits am Frühstückstisch beschlossen wir auf Rat unserer Wirte, für einen Tag am Swimmingpool vom Campingplatz "Don Ambrosio" eines Schweizers beim Salto el Laja aufzusuchen.

Gleich rappen sie los

Den Campingplatz fanden wir zwar zunächst nicht, dafür aber einen Parkplatz vor den Gaststätten beim Wasserfall. Von der Brücke kann man ihn bereits sehr gut sehen – und den Rummel der chilenischen Wochenendausflügler. Wir gingen an Buden mit Artesania-Tinnef vorbei und zum Fuß des Wasserfalls; hier sprühte die Gischt über das Menschengedränge und nach einigen Fotos rutschten und kletterten wir den Weg zurück.

Im Gischtnebel des Salto el Laja

An weiteren Ständen mit noch mehr Souvenirs, Nüssen, Marshmallows und Charqui (getrockneten Pferdefleischflocken) ging es dann hinauf und zu einem Campingplatz am Fluss. Hier lagerten die einheimischen Ausflügler zu Dutzenden um niedrige gemauerte Grills auf denen das Fleisch bruzelte, während ihre Kinder – landesüblich in voller Montur – im Wasser oberhalb des Wasserfalls spielten.

Getrocknete Pferdefetzen, wie lecker

Luis und Carl blickten sehnsüchtig auf eine Quad-Bahn und als die Betreiber bestätigten, dass auch so kleine Jungs fahren durften, bekam jeder sechs Runden mit den Zweitaktern spendiert.

Schau mal her der heiße Hobel

Danach konnten die Kinder auch im Fluss planschen und erfrischt ging es wieder hinab und zu den Gaststätten. Carl wünschte zum Nachtisch Torte, von der er schon bald großzügig abgab: sie schmeckte erstaunlich gut.

Lecker Vanillecremetorte

Schließlich fanden wir dann doch den Campingplatz "Don Ambrosio" und lernten auch Herrn Dobeli, den Genfer Besitzer kennen, als wir ihm fast die Beete platt gefahren hatten. Luis und Carl freundeten am Pool mit einem chilenischen Jungen an und und spielten Synchronhüpfen, während ich die allgegenwärtigen Coliguachos erlegte.

Wilde Hüpfer

Nach einem echten Espresso – und nicht dem ewigen chilenischen Nescafé – kehrten wir erfrischt zur Unterkunft zurück.

Vierundzwanzigster Tag: McDoof gibts auch in Chile

Gleich nach dem Aufstehen packten wir unsere Sachen zusammen und verabschiedeten uns von von den Gampers, unseren Wirten aus Dos Rios. Gefrühstückt wurde im Café 2001 in Villarica: Eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen wir in Chile richtigen Kaffee und kein Nescafé vorgesetzt bekamen. Und der Himbeerkuchen!

Nun ging es wieder zurück nach Norden. Zum Mittagessen fuhren wir kurz vor unserem eigentlichen Ziel in Los Angeles zum Ortszentrum, um uns ein Centro de Llamadas, ein Internetcafé und ein Lokal zu suchen. Gefunden wurden aber nur Essgelegenheiten und die Kinder bestanden ausgerechnet auf McDoof – wegen der Caja Feliz mit Figuren vom Kinofilm "Avatar".

Dann folgten wir Elses Anweisungen, um zu unserer nächsten Unterkunft zu gelangen, "El Rincón" Nördlich von Los Angeles. Mein erster Eindruck: hier geht einem der Lesestoff nicht aus. Nach Bezug unserer Zimmer entdeckten die Kinder dann das wunderschöne Gelände und den Fluss, in den Carl prompt seine Avatar-Figur warf.

Dreiundzwanzigser Tag: Hexenwald und Schneider

Es sollte unser letzter Tag bei Villarica in Dos Rios sein und wir wollten es ruhig angehen. Ich durfte bis zum Nachmittag im Fluss angeln, während Luis und Carl mit Britta in den Hexenwald gingen, denen unsere Wirtin Frau Gamper ihnen angekündigt hatte.

Auf der Wiese unter den Cabañas

Die beiden erklärten den Hexenwald aber rasch zum Weltraumbahnhof und die Hexenhaare (Schlingpflanzen) auf die sie sich setzten zu Raumschiffen.

Hexenwald oder Weltraumbahnhof?

Als sie mich am Flussstrand abholen kamen, hatte ich wieder nichts gefangen; obwohl ich mich still genug verhielt, um die Pejerrey (Basilichthys Australis) nahe an mir am Boden des ruhigen Wassers vorbeiziehen zu sehen, fand ich einfach nicht die richtige Fliege.

Kinder glücklich, Papa fischlos

Luis blieb noch ein wenig bei mir und versuchte im Wasser zu baden, nachdem Britta mit Carl vor den allgegenwärtigen Coliguachos (Scaptia Lata), den chilenischen Elefanten-Blödbremsen geflüchtet war.

Zweiundzwanzigster Tag: Entspannung in den geometrischen Quellen

Wir hatten bereits am Vortag beschlossen, heute zu den Termas Geometricas am Vulkan Villarica zu fahren.

Blick von Dos Rios auf den Vulkan Villarica

Zuvor wurde jedoch in Villarica Halt gemacht, um Geld zu holen. Besonders interessant war ein kleiner Markt, an dem es lebende Küken zu kaufen gab. "Mama, wir kaufen uns so eins und nehmen es mit nach Hause, ja?"

Küken zu verkaufen

Wir fransten uns über die Landstraßen bis Conaripe am Lago Calafquén, um dort in einer Gaststätte am Seeufer Mittag zu essen. Die Kinder bekamen wieder ihr Bilz bzw. Pap und waren somit zufrieden. Am Strand hatten sich die Einheimischen eingefunden, einige trauten sich auch trotz des Windes ins Wasser.

Strand am Lago Calafquén

Dann ging es mit Ritter Rost-Wunschkonzert südlich des Vulkans ins Gebirge hoch, auf Piste an anderen Thermen und kristallklaren Bächen vorbei, bis wir unser Ziel gefunden hatten.

Eingang zu den <br />Termas Geometricas

Nach dem Umziehen probierten wir gleich das erste Becken: Wie angenehm, man wollte nur noch im Wasser bleiben. Wir rafften uns dennoch auf und folgten dem rot gestrichenen hölzernen Fußweg die Schlucht hinauf bis zu einem Wasserfall am Ende der Anlage.

Eiskalter Wasserfall

Fast jedes (nicht zu heiße) Becken wurde ausprobiert. Über dem Wasser schwebte ein dünner Nebel – und ein leichter Hauch von Vulkanpups.

Therme unter Grün

Ein derart entspannender Tag war es, dass wir alle ein wenig müde geworden waren. Beim Verlassen der Anlage bemerkten wir noch einen jungen Touristen, der im vordersten Becken eingeschlafen war.

Bad im heißen Vulkanwasser

Die Ermüdung der Kinder machte sich bemerkbar, als wir in Lican Ray angekommen waren: Sie waren unzufrieden und maulig und erst wieder glücklich, nachdem sie in einer Spielbude ein paar Pesos verballert und zum Abendessen Pizza bekommen hatten.

Daddelbude in Lican Ray

Der Ort ist ganz offensichtlich auf einheimische Urlauber eingerichtet; Spielbuden, Mote-Stände und Läden mit Artesania-Tinnef säumten die Straße entlang der Plaza de Armas und zum Strand. Dort vergnügten sich die Besucher mit Tretbootfahren und einige wagten sich auch ins Wasser.

Montag, 11. Januar 2010

Einundzwanzigster Tag: Nass von oben und unten

Schon hieß es wieder Abschied nehmen von Erika und Kurt, die sich zur Anden"überquerung" per Schiff entschlossen hatten. "Auf Wiedersehen zu Hause," wünschten wir uns gegenseitig, "Gute Reise und bleibt gesund!" Dann winkten wir den Großeltern nach, die die sich auf den Weg über Puerto Pirihueico nach Argentinien, dann nach Buenos Aires und schließlich zurück in die Heimat machten.

In den Vormittagsstunden auf der Farm lockte die Sonne, Carl und Luis vergnügten sich mit den Hunden und auf dem Trampolin. Jörg entschloss sich zur Bootstour mit einem Angel-Guide auf dem Tolten. Kaum hatten wir ihn nach dem Mittagessen im Restaurant "Treffpunkt" (mit angeblich typisch deutschem Essen - konnten wir aber nicht finden, bis wir sahen, dass mit "Pernil" offensichtlich ein Eisbein gemeint ist) am Startpunkt der Tour abgesetzt, zog sich der Himmel zu und es begann wie aus Kübeln zu schütten.



Mutter und Kinder machten sich derweil auf den Weg den Vulkan Villarica hinauf, der Weg so schlecht, dass ich den Gipfel unmittelbar vor uns vermutete. Immerhin genossen wir eine tolle Aussicht auf den See. Unser Ziel: die Cueva Volcanicas, von Lavaströmen geschaffene Höhlen. Während wir auf den Beginn der Führung warteten ging um uns herum ein Hagelsturm über Lavazungen und Jahrtausende alten Wald nieder.

Blick vom Vulkan Villarica auf den See

Nach erhellenden Einsichten in den Vulkanismus in Chile im Allgemeinen und die Aktivität des Villarrica im Besonderen (abnehmend seit Beginn des Jahrhunderts), stiegen wir in eine fünfhundert Meter lange Höhle hinab, deren Inneres wie mit flüssiger Schokolade überzogen schien. Aber verdammt feucht war es auch!



Als wir zurückkehrten, wartete Jörg bereits auf uns: er war auf der Bootstour über den Fluss Schneider geblieben und trotz Regenjacke völlig durchnässt worden. Zum Glück besaß unsere Cabaña einen Ofen, in dem wir abends ein wärmendes Feuer entfachten.

Montag, 4. Januar 2010

Zwanzigster Tag; Reitabenteuer in der Alm

Britta wollte endlich auch zu ihrem Recht als Reiterin kommen; leider hatte unsere Wirtin jedoch jeglichen Ausritt mit ihren Pferden abgelehnt, da diese wegen Insektenstichen behandelt worden seien. Sie empfahl uns dafür die "Bacher Alm" in den Nordhängen des Tals östlich von Pucón. Dort biete Franzi, der chilenische Sohn eines ausgewanderten Salzburgers – des inzwischen verstorbenen Pferde-Hans – Reitausflüge an. Wir ließen uns den Weg beschreiben und fuhren gleich nach dem Frühstück zu sechst in beiden Autos los. Doch die "Bacher Alm" war nicht zu finden; als wir eine besonders schlechte Piste auf die vage Vermutung eines Lastwagenfahrers hoch fuhren, fragten wir schließlich ein altes Männchen vor seiner Hütte, ob wir auf dem rechten Weg seien. Der hatte aber noch nie von einem solchen Ort gehört.

Also zurück nach Pucón, wo wir nach einem Lokal für das Mittagessen suchten. Britta nutzte die Gelegenheit, um "Franzi" anzurufen und noch einmal nach dem Weg zu fragen. Wie sich herausstellte, waren wir zuletzt auf der richtigen Fährte gewesen und das Männchen kannte offenbar seine Nachbarn nicht. Luis, Carl, Erika und ich nutzten die Zeit, um uns in einer Peluquería die Haare schneiden zu lassen. Die Frisörin verpasste uns alle den gleichen Haarschnitt namens "Kurz und Schmerzlos" und machte ihr Geschäft des Tages.

Nach Mittagessen und Einkauf – ich fragte im örtlichen Angelladen nach den empfohlenen Fliegen und besorgte mir dazu noch Ersatz für das am Vortag verlorene Vorfach – versuchten wir es also noch einmal und fanden nach der telefonischen Beschreibung endlich unser Ziel: die armen Pferde hatten bereits Stunden angebunden unter den Sätteln gestanden – und dabei nicht fressen können, was sich schon bald als gelegentliches Hindernis herausstellen sollte.

Aufsitzen auf der Bacher Alm

Zunächst wurde jedem sein Pferd zugewiesen; doch weil Franzi nur ein Pferd am Strick führen konnte, gab es auch nur ein Kinderpferd. Bald schon klagte Carl, der vorne bei Britta auf dem Rist deren Pferdes sitzen musste über Schmerzen, da wo es Jungs schnell weh tut. Also beide auf das gleiche Ross namens Princesa. Doch das ging auch nicht, da Carl keinerlei Halt in irgendwelchen Steigbügeln hatte. So durfte Carl auf Princesa reiten und Luis setzte sich vor Mama. Franzi stieg ab und führte Princesa zu Fuß.

Franzi führt Luis auf der braven Princesa

Endlich ging es ernsthaft los; doch dann der nächste Zwischenfall: Wo war Oma? Britta drehte um und fand diese leicht verzweifelt auf ihrem friedlich grasenden Pferd. Im folgenden sollten die Tiere immer wieder versuchen, sich etwas Grün abzureissen. Mein eigenes Tier, Reina, war zwar vom Dauerfressen abzubringen, doch versuchte es sich immer an Princesa zu drängen.

Der Weg selber war sehr beeindruckend, der Wald sehr wild: Überall lag das Holz und der Weg ging oft sehr steil. Doch die Pferde fanden auch im weichen Boden ihren Tritt. Einmal machte Kurts Pferd einen Umweg und konnte nicht mehr auf dem schmalen Pfad zurücksetzen; Franzi musste ihm das Holz aus dem Weg schaffen und es ging weiter, an teilweise riesigen Bäumen durch den Urwald. Dann erreichten wir eine Lichtung, wo die Tiere ein wenig grasen konnten.

Britta im Urwald

Zurück ging es wesentlich schneller; so schnell, dass einmal Erikas und dann Kurts Pferd in Trab verfielen. Doch beiden gelang es, die Tiere wieder in die Gewalt zu kriegen – dabei war es bloß das zweite Mal, dass Erika ritt und für Kurt das erste Mal, dass er überhaupt auf einem Pferd saß! Mein Pferd wollte auch los traben und einmal eine Abkürzung nehmen und keilte ungeduldig aus, wenn ich es bremste. Ich fürchte, Franzi wird es wieder mühsam erziehen müssen, nachdem ich es so verdorben habe.

Nach dem Ausritt trennten wir uns von Kurt und Erika und fuhren nach Pucón, wo wir mit dem Tretauto die Straßen unsicher machten. Die Großeltern trafen wir zum Abschiedsessen im vornehmen "Cava del Roble" in Villarica.

Neunzehnter Tag: Oma und Opa sind schon da!

Wie sich also herausstellte, waren Kurt und Erika bereits am Vortag eingetroffen. Als sie dann nach dem Frühstück in der Tür unserer Cabaña standen, war bei den Kindern der Jubel groß und sie stürzten sich sofort auf die Großeltern. Kurt hatte danach noch am Land Rover zu arbeiten und so spielten die Kinder mit den Hunden.

Unseren Wirt fragte ich nach dem kürzesten Weg zum Strand; wie sich herausstellte, war ich am Vorabend den Hunden auf einen Umweg gefolgt. Dennoch gingen wir diesem jetzt nach, weil auch er einige Angelstellen bot. Und so verbrachte ich den Tag mit Angeln im Tolten, während die anderen Pucón besuchten. Fangen konnte ich leider jedoch nichts, noch sah ich irgendwelche Fische durch das glasklare Wasser.

Während Jörg also endlich mal den Fischen nachstellte, machten sich Kinder und Großeltern auf den Weg nach Pucón, wo wir alle Hände voll zu tun hatten, die lieben Kleinen davon abzuhalten, dass Angebot für chilenische Urlauber KOMPLETT auszuschöpfen. Es blieb also bei Eis, Hot Dogs und ein paar Runden mit den beliebten Elektrofahrzeugen auf der Plaza (auch ein kleines Motorrad wurde kurz getestet). Tretautos, Touristenbähnchen und Spielhöllen kamen dann in den folgenden Tagen dran...

Holz-Mapuche in Pucón

Für mich ist Eiszeit

Abends nahmen wir dann alle Platz im Landy – Britta und ich mit den Kindern im hinteren Raum – und so ging es nach Villarica ins mit Gästen gut gefüllte "Café 2001" zum Abendessen.

Achtzehnter Tag: Stau in der chilenischen Vulkaneifel

Abschied von den Lamas der Suizandina

Den Weg zu unserer nächsten Unterkunft am Rio Tolten wollten wir über den Naturpark Conguillio nehmen. Wir nahmen also Abschied vom Team und den Lamas der Suizandina und fuhren zunächst nach Curacautín, um uns mit Proviant zu versorgen und zu Hause anzurufen. Dann ging es mit mit Else an der Windschutzscheibe und Ritter Rost aus den Lautsprechern wieder auf die Piste.

Immer näher rückte der Vulkan Llaima und schon bald gerieten wir auf das erste Aschenfeld. Dummerweise waren genau hier auch ein paar Radfahrer auf der Piste unterwegs, an denen wir uns vorbei drängeln mussten – immer mit der Sorge, mit unserem Zweiradangetriebenen Wagen im Sand stecken zu bleiben. Dann standen wir an der Schranke zum Naturpark, an der irgendein Witzbold die Vulkangefahr-Warnung auf "exessivo" gestellt hatte.

Ausbruchgefahr: Extrem

Wenig später machten wir Rast an einem kleinen See. Luis und Carl spazierten mit mir am Ufer entlang zu einer kleinen hölzernen Plattform, von der aus man tief in das klare Wasser blicken konnte. Die nächste Pause am Lago Conguillo war länger, so dass die Kinder im Wasser planschen konnten. Bald hatten sie auch Bekanntschaft mit den Jungs einer anderen deutschen Familie geschlossen.

Planschen im Lago Conguillo

Auf der Weiterfahrt nach Süden und bergab wurde die schon ziemlich schlechte Piste noch schrecklicher. Zu allem Überfluss stießen wir nun auf Ausflügler, die von der anderen Richtung kamen; unter anderem auf eine Chlienische Mama mit ihren Töchtern, die sich notdürftig an den Rand stellte und uns munter gestikulierte, wir sollten doch bitte in den Schwerelosgang schalten und senkrecht am Straßenrand an ihr vorbeifahren, das würde schon gehen. Erst als wir uns hartnäckig weigerten und sie einsah, dass sie so nicht weiter kam, setzte sie umständlich den Berg hinab zurück, bis wir genügend Platz hatten.

Auf der weiteren Fahrt führte die Piste durch Lavafelder, die deutlich jüngeren Alters waren, vermutlich von den Ausbrüchen 2007 oder 2008. Dann hatten wir den Nationalpark auch wieder hinter uns. Unser spätes Mittagessen nahmen wir im Örtchen Melipeuco südlich des Llaima, in einem Lokal mit dem Namen "El Vocán" – für diesen Namen hatten die Besitzer wohl nicht sehr lange nachdenken müssen.

Piste durch das Lavafeld

Den Rest des Tages waren wir dann auf den Pisten der Ruta Interlagos unterwegs. Zwischen der Mitteleuropäisch anmutenden Landschaft kamen wir uns vor wie in der Eifel. Als wir schließlich in unserer Unterkunft Dos Rios angekommen waren, freuten sich die Kinder über die Wiese mit dem Trampolin, einer Seilbahn, den Lamas – und Christian, dem jüngsten Sohn der Gampers, unserer Wirte.

Ich beschloss, in Begleitung der Hunde Kati und Chica den Fluss Tolten aufzusuchen. Die Dunkelheit brach jedoch sehr rasch ein, so dass ich bald wieder umkehrte – und Kurt und Erika begrüßte, die wieder zu uns aufgeholt hatten und vom Abendessen in Villarica zurückkehrten.

Siebzehnter Tag: Rundfahrt um die Anden-Lagunen

Am Silvesterabend hatte uns einer der einheimischen Nachbarwirte den Tip gegeben, ich solle doch zum Fliegenfischen "hinter den Tunnel" fahren. Gemeint war der Tunnel Las Raizes, der längste Tunnel Lateinamerikas und Überbleibsel eines gescheiterten Projektes, eine Bahnlinie vom Pazifik zum Atlantik zu bauen. So machten wir uns wieder auf den Weg, zunächst zum Tunnel und danach zum Ort Lonquimay. Es war ein verschlafener Neujahrstag in einem verschlafenen Örtchen. Wir tankten und suchten ein geöffnetes Lokal zum Mittagessen. Der von dieser unerwarteten Kundschaft überraschte Wirt konnte uns ein paar "Completos" (Hot-Dog mit Avocado und Tomate)anbieten, die die Kinder auch dankbar verputzten.

Completos in Lonquimay

Danach ging es über Stock und Stein zunächst zur Laguna Gualletue, dem Quellsee des Bío-Bío (größter Fluss Chiles), dann zum Lago Icalma. Das eigentlich spannende neben der spektakulären Landschaft waren die ständig unsere Straße kreuzenden, frei lebenden Pferde, Kühe, Ziegen und Schafe; sie sind so neugierig, dass sie die Straße oft erst nach längerem Gut-Zureden freigaben. Ein auf der Landstrasse stehendes Pferd freute sich so über die Abwechslung, die unser Wagen ihm bot, dass es ihn ableckte.

In dieser Gegend leben überwiegend Mapuche-Indianer, die als Campesinos ein scheinbar kärgliches Leben fristen -- obwohl es überall grün ist und für das Vieh optimale Bedingungen herrschen. Wasser gibt es in Chile nun wirklich genug. In einem Dorf wurden wir Zeuge des indianischen Feiertagsvergnügens Rodeo à la Mapuche: Nachdem die einjährigen Rindviecher Brandzeichen bekommen hatten, schnappten sich drei, vier Männer eins und ließen jeweils einen aus ihrem Kreis aufsitzen. Jeder erfolgreiche Versuch wurde mit einem Glas Wein aus dem Tetrapack belohnt.



Na ja, mit dem Angeln wurde es dann nichts, dafür verbrachten wir mal wieder einen erlebnisreichen Tag nach dem Motto "Chile vom Auto aus", den wir mit einem Hütten-Abendessen in unserem Schweizer Chalet krönten.

An der Quelle des Bío Bío

Der Lonquimay hinter Araukarien

Sechzehnter Tag: Vulkanschnee und Hütten-Silvester

Gleich nach dem Frühstück machten wir uns auf, den Lonquimay zu erkunden. Bald erreichten wir die Piste, die durch den Wald hinauf führte. Schon bald machte ein mitteleuropäisch anmutende Bewuchs den Araukarien Platz.

Im Araukarienwald

Dann begannen die Aschenfelder und vor uns lag der Vulkan. An seinem Fuß stand verlassen der Skilift, an dem vorbei wir eine kaum noch zu erkennende Piste in der Asche zu den tiefer gelegenen Schneefeldern hoch fuhren. Hier blies der Wind, die Wolken zogen über die Aschenfelder und Britta wich einem schlecht gezielten Schneeball aus.

Sommerlicher Vulkanschnee

Dann den Weg wieder herunter und auf der Piste am gegenüberliegenden Hang entlang, um die andere Seite des Vulkans sehen zu können. Auf einem Sattel machte wir halt. Hier blies der Wind so stark, dass man sich in ihn hineinlegen konnte. Carls Mütze wurde beinahe in die Anden geblasen. Der Blick von hier reichte so weit, dass man die Nachbarvulkane Tolhuaca und Llaima ebenfalls sehen konnte.



Zurück ging es wieder durch den Wald, wo die Kinder eine Blasenpause machen mussten. Wir hielten am Rande einer Schlucht des Rio Cautín und entdeckten dort ein paar kleinere Wasserfälle.

Wasserfälle unterm Vulkan

Am Nachmittag fanden wir auf der Suche nach Mittagesessen in einer Therme die Zwillinge, die Luis und Carl bereits am Vortag kennen gelernt hatten, deren kleiner Bruder Felix und die Eltern. Statt Restaurantbesuch wurde es ein Picknick.

Ritter auf der Burg

Besteigung des Dampftraktors

Wieder in unserer Unterkunft hatten wir bereits mächtig Hunger. Am frühen Abend wurde das Silversteressen mit einem Alphorn eröffnet. die Kinder fanden ein paar Spielgefährten in der Stube, was um so besser war, als es kräftig zu regnen begann. "So kalt und regnerisch war lange kein Sommer mehr," bemerkte die Geschäftsführerin, eine Schweizerin, die sich zu uns gesetzt hatte.

Silvesterabend mit Alphorn

An unseren Tisch hatte sie auch ein paar mit dem Suizandina-Team befreundete chilenische Wirte aus der Nachbarschaft gesetzt, die uns von ihrer Herkunft -- keiner war aus Malalcahuello – und ihren Geschäften erzählten. Um elf waren die Kinder müde und nachdem wir sie zu Bett gebracht hatten, begann auch schon bald der Countdown ins neue Jahr.

Fünfzehnter Tag: Bratwurst

So verließen wir also die Casa Chueca ohne Kurt und Erika und machten uns über die Panamericana weiter in Richtung Süden. Die Kinder hörten Ihre CDs und wir kamen rasch voran. In Chillán, einer verhältnismäßig großen und geschäftigen Stadt, wurde Rast gemacht. Hier wollten wir die Feria Artesanal aufsuchen und zu Mittag essen.

Das Auto ließen wir in einer Tiefgarage unter dem Einkaufzentrum, dann standen wir im Zentral-Fleischermarkt der Stadt: Metzger und kleine Lokale, und überall hingen Bratwürste. Wir durchquerten die ganze kulinarische Pracht und überquerten eine viel befahrene Straße zur Feria. Hier gab es jede Menge Huaso-Tinnef wie Sättel Sporen und Taschenmesserholster aus Kuhleder, außerdem jede Mengte Zeug aus Peru und natürlich Plastik aus China.

Gleich dahinter war der Obst- und Gemüsemarkt. In Chile wächst offenbar alles, und wir kauften uns Himbeeren, Kirschen und Wundertee. Zurück in der Feria durften die Kinder sich etwas aussuchen: Carl bekam ein Portemonnaie und Luis eine Huaso-Tröte. Ich holte mir natürlich ein Huaso-Taschenmesserholster.

Danach ging es zurück in den Fleischmarkt. Die Kinder bettelten nach Wurst, die Wirte nach Kundschaft und so landeten wir bald in einem kleinen Lokal, in dem Britta einen Maiseintopf und die Jungs und ich uns Bratwurst servieren ließen. Diese Würste, Longanizas auf Spanisch, kann man sich wie Mettwürste vorstellen und sind hier stark gewürzt, vor allem mit Knoblauch.

Schließlich ging es weiter über die Autobahn bis Victoria durch die immer mehr mitteleuropäisch anmutenden Landschaft. Danach über die Landstraße in die Anden und in Curacautín entdeckten wir auch die ersten Geschäfte mit deutschen Namen. Auf dem Weg nach Malalcahuello machten wir einen kurzen Halt am Salto del Indio. Wir hatten die Wanderwege praktisch für uns alleine, rutschten und kletterten die Wege hinab und bewunderten das lautstarke Naturschauspiel.



Endlich waren wir dann in unserer nächsten Unterkunft, der "Suizandina", wo wir über Silvester bleiben wollten. Luis und Carl schlossen gleich Freundschaft mit zwei deutschen Zwillingsbrüdern, Till und Raimo, die mit ihren Eltern und dem kleinen Bruder aus Constitución gekommen waren.